Reinhold Messner über Natur- und Klimaschutz
„Du bist, was Du tust“
Mit seiner Lebens-Leitlinie kann Reinhold Messner Berge nicht nur erklimmen, sondern versetzen. Sein erfolgreichstes Engagement gilt heute dem Umweltschutz und der Nachhaltigkeit.
Ein jugendlicher Typ. Unverkennbare Sturmfrisur. Wache, lebendige Augen mit vielen Lachfältchen. Reinhold Messner wirkt ebenso agil wie lebenslustig, und er erklärt gern. Wortreich und präzise, der starke Wille spricht aus jeder seiner Gesten.
Mit seinem Lebens-Leitmotiv "Du bist, was Du tust“ vermittelt Messner einen hohen Anspruch. An andere, aber vor allem an sich selbst. Dass er in seinem Sinne „etwas getan“ hat, weiß man nicht nur, man sieht es ihm an. Sein jüngster Einsatz für nachhaltigen Natur- und Klimaschutz ist nicht zuletzt Resultat seiner tiefen Eindrücke aus der ganzen Welt. Nachhaltigkeit, d. h. Schonen der Ressourcen und umsichtiger Umgang mit der Natur, kennzeichnet auch seine Vita, die einen Bergsteiger-Rekord an den anderen reiht. Spektakuläre Expeditionen, immer am Limit des Machbaren und nicht selten unter Vernachlässigung physischer Grenzen: "Im Grunde funktioniert es immer gleich: Das Entscheidende ist die Identifikation mit dem Ziel, die Auseinandersetzung damit. Natürlich ist auch das Training wichtig. Der Gipfelmoment ist aber nicht der wesentliche. Gerade bei den ganz großen Bergen ist er im Grunde nur der Umkehrpunkt. Die starken Emotionen entstehen erst nachher“, sagte er in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung“.
Ob er nun die Wüste Gobi durchquert, den höchsten Berg der Antarktis erklimmt oder den Mount Everest ohne Sauerstoffmaske bezwingt - seinen Zielen ist der Südtiroler immer treu geblieben. In seiner Heimat errichtete er mit dem "Messner Mountain Museum“ an fünf Standorten ein Gesamtkunstwerk, das nicht nur die alpine Region dokumentiert, sondern Bergwelten des ganzen Globus abbildet. Doch in jüngerer Zeit ist Messners Bergmuseum auch zum Ort besorgniserregender Dokumente geworden. Es geht um den Klimawandel:„Wir dokumentieren nicht nur die Auswirkungen des Klimawandels, wir erzählen auch vom Gletscherschwund am Mount Everest. Diese Emotionen, die dabei entstehen, können die Menschen wachrütteln und sorgen hoffentlich für ein gesteigertes Bewusstsein in den Köpfen derer, die an der Erderwärmung auch Verantwortung tragen.“ Messners Heimat Südtirol ist für ihn der ganz reale Ausgangspunkt seines jüngsten Engagements für Natur- und Klimaschutz und für das Prinzip der Nachhaltigkeit:„Bei uns in Südtirol ist der Weinanbau bald auf 1.000 Meter Meereshöhe möglich. Allein diese Tatsache zeigt, welch enormen Einfluss der Klimawandel mit sich bringt.“
Wer sauberes Wasser und klare Luft postuliert, kann heute nur noch global denken. Denn alles steht mit allem im Zusammenhang. Und zum ökologischen Fortschritt gehören auch sozialer Frieden und intakte Gesellschaften. Messner fordert: "Nicht nur in Europa müssen Unternehmen den ökologischen Gedanken und die soziale Verantwortung verinnerlichen, diese Entwicklung muss weltweit in die richtigen Bahnen gelenkt werden.“
Genau diese Maßstäbe bilden das Prinzip der Nachhaltigkeit. Bezogen auf Rohstoffe heißt dies etwa: Es darf nur so viel entnommen werden, wie gleichzeitig regeneriert werden kann. Öl, Kohle und Erdgas erfüllen diese Kriterien z. B. nicht, Biogas, Wasser- oder Windkraft jedoch sehr wohl. Für die Landwirtschaft würde das bedeuten, Flächen schonend zu nutzen und sie zur Erholung immer wieder brach liegen zu lassen. So engagiert sich Messner in Südtirol für Bergbauern, die ihre Almen umsichtig nutzen und damit zur Stabilität der natürlichen Bergflora und -fauna beitragen: "Mit meinem Namen verbindet die Öffentlichkeit Einsatz für Umweltschutz und den Erhalt der Natur. Dadurch finden meine Aussagen zum Thema Klimawandel in den Medien und bei den Menschen Gehör. Hier sehe ich auch meine Aufgabe, die Vielzahl meiner Erfahrungen in die Diskussionen einzubringen, auf die Folgen des Klimawandels hinzuweisen und den Nutzen des Gegensteuerns zu untermauern.“
Der Achttausender-Bezwinger, das Bergsteiger-Idol, der Mann, der schon jetzt ein Mythos ist: Reinhold Messner benötigt keine Rekorde mehr, um Schlagzeilen zu machen. Sein Projekt der fünf Bergmuseen steht vor der Vollendung. Und was kommt danach? "Ich habe noch genug weitere Ideen, die ich umsetzen möchte, doch auch hier gilt, dass ich eine Sache unter Einsatz meiner gesamten Möglichkeiten und Mittel zu Ende bringe, bevor ich die nächste mit der gleichen Vehemenz angehe."
